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Marc2016
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Fehlsichtigkeit nach einer ReLex Smile-OP

Liebes Experten-Team,

Vor 10 Tagen habe ich mich einer Relex-Smile mittels Zeiss Visumax Femtolaser unterzogen. Zwar sind keinerlei Nebenwirkungen (wie Rötung, Jucken, Tränen oder Trockenheit) in Erscheinung getreten, dafür jedoch eine nicht unerhebliche Fehlsichtigkeit.

Als Arzt habe ich mich vor dem Eingriff eingehend mit den verschiedenen Methoden auseinandergesetzt und mich letztlich für eine Femto-Lasik entschieden (Hornhautdicke 580 um präoperativ, jetzt ca. 520 um), da viele meiner Freunde erfolgreich mit dieser Methode behandelt worden sind.
Auf Raten meines Arztes im Augenzentrum habe ich mich dann letztlich einer Relex-Smile unterzogen.

Meine ursprüngliche Fehlsichtigkeit ist ein beidseitiger Astigmatismus mit leichter Myopie: li 025 2.75, re 0.5 3.0.
1 Tag nach der OP wurde mir beim dominanten li Auge ein Visus von 1.0 (ca. 0-0.25 Dioptrie verbleibende Fehlsichtigkeit, beim re Auge ein Visus von 0.8 (ca. 0.5-0.75 Dioptrie verbleibende Fehlsichtigkeit). Für mich war es zunächst überraschend festzustellen, dass ich li deutlich besser sehen konnte als re und dass eine nicht unerhebliche Fehlsichtigkeit am re Auge verblieben ist.
Meine Hoffnung war, dass die Absorption der Flüssigkeit im Hohlraum nach Extraktion des Lentikels und das Zusammenwachsen der Hornhautschichten die verbleibende Fehlsichtigkeit des re Auges verschwinden lassen würde.

Doch habe ich mich sehr getäuscht! Am 5.-7. Tag nach dem Eingriff bemerkte ich, dass sich das "gute" li Auge dem "schlechten" re Auge annäherte anstatt dass sich das re Auge normalisierte. Eine elektronische Schnelluntersuchung bei Apollo Optik lieferte beidseits ca. 0.75 Dioptrien, was mich beunruhigte.

Die Katastrophe war dann perfekt, als ich bei der heutigen Nachuntersuchung im Augenzentrum (10. Tag nach der OP) eine beidseitige Fehlsichtigkeit von ca. 1 Dioptrien im automatisierten Sehstärketest attestiert bekam. Somit hat sich li Auge (Visus 1.0 + 0-0.25 Dioptrien am Tag nach der OP) deutlich verschlechtert, und auch das re Auge ist etwas schlechter geworden. Meine Ärztin rät mir geduldig zu bleiben und die nächsten 4-5 Wochen abzuwarten, da sich hier noch einiges ändern könne.

Wie sieht denn Ihre Einschätzung aus? Ist es Ihrer Erfahrung nach möglich, dass sich eine beidseitige Fehlsichtigkeit von ca. 1 Dioptrien 10 Tage nach der OP noch normalisieren kann? Wie kann man erklären, dass es bislang zu einer kontinuierlichen Verschlechterung gekommen ist?
Falls doch ein Zylinderwert von mehr als 0.25 Dioptrien verbleiben und mein Visus sich nicht wieder auf 1.0 normisieren sollte, wie sollte ich vorgehen? Soll ich nachlasern lassen? Nach welcher Zeit? Und welche Methode würden Sie mir raten (LASEK?)? Soll ich in der Übergangszeit eine Brille tragen?

In der Tat bin ich momentan angesichts der für mich desaströsen Ergebnisse sowohl sehr enttäuscht als auch verzweifelt. Daher wäre ich Ihnen sehr für Ihren Rat verbunden.

Merci beaucoup,

Marc

Dr. Neuber
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Sehr geehrter Marc2016,

es tut uns natürlich Leid, dass das Ergebnis nach Ihrer Smile-Behandlung noch nicht zufriedenstellend ist.
Aus meiner Sicht sind folgende Punkte wichtig:
1. Trauen Sie nicht der automatischen Refraktions-Bestimmung! Es muss ein so genannter subjektiver Abgleich gemacht werden, bei dem Sie selber mit bestimmen müssen, welches "Glas" in der Probebrille am angenehmsten ist. Die automatischen Messungen nach der Smile sind ungenau.
2. In den ersten Wochen ist das Ergebnis schwankend und die Entwicklung nicht immer linear.
3. Das ist auch der Grund, weshalb Sie mindestens 2-3 Monate abwarten sollten. Dann entscheidet sich, ob eine Nachkorrektur Sinn macht.
4. Wann macht eine Nachkorrektur Sinn? Wenn es Sie stört, dass das beidäugige Sehen nicht gut genug ist. Und wenn eine korrekturbedürftige Refraktion von mind. 0,5 dpt. besteht. Ihre Hornhaut ist ja bei Ihnen ohne Zweifel dick genug, eine Nachkorrektur durch zu führen.
5. Welche Methode wählt man? Das ist ganz individuell. Es kommt z. B. auf die Hornhautdicke an, auf die Restrefraktion, die korrigiert werden soll, auf Ihre Ansprüche (würde Sie ein Flap stören?). Zur Wahl stehen SMILE (noch off label), Lasik, PRK/LASEK.
6. Der Rat Ihrer Ärztin ist also richtig gewesen, zunächst abzuwarten.
7. Ob dann eine Besserung eintritt, ist natürlich im Einzelfall nicht voraus zu sagen.

Ich hoffen wir konnten Ihnen etwas helfen! Viele Grüße!

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Ralph Neuber

Marc2016
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Lieber Herr Dr. Neuber,

Für Ihre unverzügliche Antwort möchte ich Ihnen herzlich danken! Ihr Input ist total wertvoll, und ich bin Ihnen dankbar für Ihren Rat.

Diesen werde ich natürlich befolgen und noch ca. 6-8 Wochen warten.
Leider decken sich die Messungen der automatischen Refraktionsbestimmung (wenn sie auch ungenau sind) mit meinem eigenen Gefühl. Zudem besaß mein li Auge ja direkt nach der OP eine nahezu einwandfreie Sehstärke (Visus 1.0, 0.25 Dioptrien), so dass ich einen klare Verschlechterung im Verlauf der letzten 2 Wochen feststellen konnte. Mittlerweile fällt mir auch das Arbeiten (Lesen, PC) nicht mehr so einfach, was meine Besorgnis nicht geradezu erleichtert.

Auf jeden Fall werde ich mich nochmals nach 2-3 Monaten hier melden - einfach, um Ihnen ein Feedback zu geben und somit auch Ihren Erfahrungsschatz zu bereichern.

Toll, dass es Kollegen wie Sie gibt!! Smile

Merci beaucoup für Ihre Hilfe und bis bald,

Emre Basar

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