Interview mit OPI Gründerin Suzi Weiss-Fischmann
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Interview mit OPI Gründerin Suzi Weiss-Fischmann

Wie ist es möglich, die Atmosphäre von New Orleans in die Münchner City zu bringen? Mit den richtigen Leuten, einer beeindruckenden Location und einer Jazz-Begleitung á la French Quarter! OPI Gründerin Suzi Weiss-Fischmann lud am 9. Februar in die Münchner Burger & Lobster Bank ein. Eine Location, die perfekt zur neuesten Farbkollektion der amerikanischen Kult-Nagellackmarke passte.

Bei ihrer Präsentation erzählte Weiss-Fischmann den Beauty-Redakteuren von ihrem Werdegang in einem völlig neuen „Business“ – der Kosmetikindustrie –, verriet ihre Prinzipien und berichtete, wovon sie sich inspirieren lässt. Eins ist sicher: Diese Frau hat eine Geschichte zu erzählen, die einfach faszinierend und in dieser Form einmalig ist!

Als Suzi Weiss-Fischmann 1989 mit ihrer Firma als Zulieferer für Dentalprodukte durchstartete, erkannte sie schnell, dass deren Acryl-Basis durchaus hilfreich für eine Verbesserung der Nagellack-Qualität sein könnte. So kam es, dass die Marke nach den Initialen der Firma benannt wurde: O(donthorium) P(roduct) I(nc). Dank Weiss-Fischmanns Leidenschaft für Farben und deren Tragedauer wurde OPI die Prestige-Marke schlechthin und die weltweite Nummer 1 im Bereich der Profi-Nagellacke.

Gabriele Fuchs, Geschäftsführerin und Gründerin von beautypress, wollte mehr über die erfolgreiche Unternehmerin und dennoch bodenständige und sympathische Mutter zweier Kinder erfahren und traf Weiss-Fischmann für ein exklusives Interview.
 
Frage: Wie fing die OPI-Erfolgsstory eigentlich an?

Suzi Weiss-Fischmann: Mein Schwager und ich gründeten die Firma, mit der wir zunächst als Zulieferer von Dentalprodukten tätig waren. Zu Beginn der 80er-Jahre sah man dann überall diese künstlichen Nagel-Extensions auf Acrylbasis, deren chemische Zusammensetzung denen der Zahnprothesen ziemlich ähnlich waren. Nachdem wir dann einen jungen Chemiker trafen, der in der Filmindustrie arbeitete und für die Special Effects zuständig war, begannen wir an einer Formulierung für Nagelprodukte zu arbeiten. So entwickelten wir eine passende Flüssigkeit, einen Puder und einen Primer.

In den Kosmetiksalons war dieses Acrylsystem für die Nägel von Anfang an sehr beliebt, da es einfach aufzutragen war und man genug Zeit hatte, den Nagel zu formen. Im Jahr 1989 war es dann soweit: OPI wurde nicht nur in den Salons angeboten, sondern konnte nun auch für den Heimgebrauch erworben werden.
 
Frage: Haben Sie Tipps für Start-ups, die ins Kosmetikgeschäft einsteigen möchten?

Suzi Weiss-Fischmann: Seit wir an den Markt gingen, hat sich in der Welt so einiges verändert. Heutzutage ist es möglich, eine Firma über Social Media zu gründen. Wenn man ein gutes Produkt hat und die entsprechenden Follower, z.B. durch ein Video auf YouTube, kann man es online verkaufen. So steigen auch Indie-Marken ins Geschäft ein. Für uns damals bildeten Qualität, trendbewusste Farben und die ausgefallenen Produktnamen die Basis; aber natürlich brauchte es auch eine zündende Idee und die richtigen Leute, die sie verwirklichten.
 
Frage: Wie lautet ihr persönliches Erfolgsgeheimnis?

Suzi Weiss-Fischmann: Leidenschaft – denn ich liebe, was ich tue – und Disziplin. Man muss wissen, was man will und sollte immer über die Konkurrenz informiert sein. Dennoch sollte man aber stets seinem Instinkt folgen. Zweitens muss man Entscheidungen treffen können. Sicherlich liegt man damit nicht immer richtig, aber nur so entwickelt man sich weiter und lernt dazu.
 
Frage: Gibt es eine bestimmte Farbe, die Sie mit Erfolg in Verbindung bringen?

Suzie Weiss-Fischmann: Anfangs war OPI für wunderschöne Rottöne bekannt, von hell bis dunkel. Hätten Sie mich vor 10 Jahren gefragt, ob ich Grün- und Blautöne herausbringen würde, hätte ich dies sicher verneint. Genauso wie sich die Trends entwickelt haben, so habe auch ich mich weiterentwickelt. Ich bin in diesem Business sozusagen „aufgewachsen“ und kann mir inzwischen alle Farben, auch die ausgefallensten, vorstellen. Es gibt da keine Grenzen mehr!
 
Frage: Welchen Trend erwarten Sie in den nächsten 5 Jahren für die Nagelkosmetik?

Suzi Weiss-Fischmann: Ein großer Trend werden Behandlungen zur Stärkung der Nägel sein. Es wird sicher um Wellness gehen, wie bei der Haut auch. Da es sehr schwer ist, heute noch innovative Formulierungen zu entwickelt, denke ich auch, dass es eine Tendenz zu Kombi-Produkten geben wird. Das sind Produkte, die eine Mischung zwischen Nagellack und Gel sind und mit denen wir die Tragedauer sowie den Glanz der Nagellacke deutlich verlängern können. Wenn man maximalen Glanz erzielen möchte, fällt die Entscheidung eigentlich immer auf Gel.

Die Tragedauer wird übrigens, unabhängig von der Formulierung, immer von der Qualität des Nagels an sich und wie man ihn behandelt, abhängen. OPI-Fan Serena Williams etwa, die übrigens eine geprüfte Nageltechnikerin ist, lässt ihre Nägel vor jedem Wettkampf mit Gel maniküren. So will sie vermeiden, dass der Nagellack absplittert oder die Nägel brechen – und natürlich hat sie dadurch immer einen perfekten Look!
 
Frage: Wird der Markt für klassische Formulierungen also eher kleiner? Werden künftig Gelprodukte dominieren?

Suzi Weiss-Fischmann: Nein, das glaube ich nicht. Herkömmliche Lacke werden weiterhin den größten Teil ausmachen, weil sie bezahlbar sind – aber gleichzeitig wird die Konkurrenz immer größer. Natürlich lassen sie sich schneller und leichter auftragen als die Hybrid- oder Gelsysteme, die zeitaufwändiger sind und in mehreren Schritten appliziert werden. Die Hybrid-Lacke werden für den Heimgebrauch, die Gel-Systeme hingegen ausschließlich für den professionellen Gebrauch geeignet sein. Unser Ziel ist es, das bestmögliche Produkt für den Anwender zuhause und die Profis im Salon anzubieten. Wir wissen auch, dass der erste Kauf normalerweise aus einem Impuls heraus geschieht und stark von der Farbe abhängt. Beim zweiten Kauf geht es jedoch um die Qualität – deshalb ist diese uns für unsere Produkte so wichtig.
 
Frage: Stimmt es, dass Sie sich aktuell vom Food-Bereich inspirieren lassen?

Suzi Weiss-Fischmann: Ach, das liegt daran, dass Food mittlerweile einen so hohen Stellenwert in unserem Leben einnimmt. Sehen Sie sich doch nur die jungen Leute an und was sie in den sozialen Netzwerken teilen: Gerichte, die sie in ihrer eigenen Küche genießen oder direkt im Restaurant aufgenommen haben. Ich bin ein Mensch, der viel Wert auf Privatsphäre legt, aber wenn ich mir meine Kinder anschaue, dann sehe ich, was heute wichtig ist: auf Instagram und Pinterest zu sein und dort sofort die leckersten Kuchen und Gerichte zu teilen.

Quelle: beautypress