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Iza
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Was kann man tun, damit die Schmerzen nach einer Brustvergrößerung nicht so schlimm werden?

Liebe Experten,

ich habe mich bei combeauty angemeldet, weil ich mich für das Thema Brustvergrößerung interessiere und mich gern mit anderen austauschen möchte, die schon ein Brustvergrößerung hinter sich haben. Einiges habe ich schon hier und auch in anderen Foren gelesen. Am meisten verunsichert mich beim Lesen der Erfahrungsberichte, wie unterschiedlich über die Schmerzen nach der OP geschrieben wird. Einige schreiben, dass sie ganz schlimme Schmerzen hatten, die kaum zu ertragen waren. Andere berichten, dass sie kaum Schmerzen oder „nur“ Rückenschmerzen hatten. Ich habe auch schon gehört, dass das nicht nur mit dem individuellen Schmerzempfinden zu haben kann sondern auch mit der OP-Methode. Deshalb wollte ich Sie als Experten gern fragen, was man denn bei der OP-Methode alles machen kann, damit die Schmerzen danach nicht so schlimm werden?

Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
Viele Grüße
Iza

Dr. Steinmetz
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Liebe Iza,

wie Sie schon selber geschrieben haben, ist das Schmerzempfinden etwas sehr individuell unterschiedliches und vielleicht auch der wesentliche Punkt, dennoch gibt es ein paar Faktoren im perioperativen Bereich, die auch einen gewissen Einfluss haben.

Ich selber operiere mit verschiedenen Methoden (Implantatlage über dem Muskel, komplett unter dem Muskel oder teilweise unter dem Muskel) und kann aus der Erfahrung mit vielen Patienten heraus sagen, dass auch die gewählte OP-Methode nicht unbedingt einen grossen Einfluss auf die Schmerzen nach der Operation hat, allenfalls die Lokalisation der Schmerzen und die Aktivitäten bei denen Schmerzen auftreten sind etwas unterschiedlich.
Meiner Meinung nach hängt es - abgesehen vom individuellen Schmerzempfinden - von 4 weiteren Faktoren ab:

1. Am wichtigsten ist vielleicht, wie schonend der Chirurg während der Operation das Gewebe behandelt. Je gröber und mit je mehr Kraft die Implantattasche präpariert wird, desto schmerzhafter wird es nachher. Auch die Sorgfalt bei der Blutstillung spielt eine Rolle. Je mehr es in die Implantattasche einblutet und je mehr Schwellung und Blutergüsse es gibt, desto schmerzhafter wird es.

2. Die Grösse des Implantates im Verhältnis zum Brustkorb. Ein relativ grosses Implantat verursacht mehr Dehnung im Gewebe, als ein kleineres. Das verursacht meist auch etwas mehr Schmerzen. Dabei sind Unterschiede von nur 30ml aber ziemlich irrelevant, ich meine hier Unterschiede von mehr als 80 bis 100ml.

3. Die ausreichend grosse Präparation der Implantattasche. Wenn das Implantatlager zu knapp ausgearbeitet wird, verteilt sich der Druck anders, als bei einem ausreichend grossen Lager. Ausserdem gibt es diverse andere Probleme, wenn das Lager zu eng ausgearbeitet ist und das Implantat dadurch sehr "gequetscht" werden muss. Zu gross, macht allerdings auch gewisse Schwierigkeiten.

4. Vernünftiges Verhalten der Patientin nach der OP. Sie sollten unbedingt die Anweisungen Ihres Chirurgen befolgen. Je mehr Ruhe Sie gerade während der ersten Tage und 1-2 Wochen nach der OP halten, desto schneller geht es Ihnen auch wieder besser. Vor allem Aktivitäten, die zu viel Vibration an der Brust führen, wie z.B. Laufen (jeder Schritt führt zum Wippen der Brust!) oder lange Autofahrten und Tätigkeiten, bei denen Sie die Arme über den Kopf heben müssen, etc. sollten für ca. 2 Wochen vermieden werden. Hilfreich ist das Tragen eines speziellen Kompressions-BH mit einem Klettband über der Brustwurzel helfen die Bewegung der Brüste zu verringern und damit auch die Schmerzen geringer zu halten. Manche Kollegen empfehlen nur ein Klebeband, was aus medizinischer Sicht auch völlig ausreichend ist, meine Erfahrung ist aber, dass gerade in den ersten 2 Wochen die Kombination aus Kompressions-BH und Band hilfreich sind. Wichtig ist, dass dabei der BH die Brüste nicht nach oben schieben darf.

So - ich hoffe, ich habe Ihnen hiermit ein bisschen geholfen!

Viele Grüsse
Wolf-Gunter Steinmetz

Viele Grüsse
Dr. Wolf-Gunter Steinmetz
www.aesthetik-am-ringpark.de

Iza
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Lieber Dr. Steinmetz,

ich kann es gar nicht fassen, wie schnell Sie mir geantwortet haben. Und das an einem Pfingstmontag. So etwas Ausführliches und Informatives habe ich zu dem Thema bisher noch nirgendwo gelesen. Vielen herzlichen Dank dafür. Auch wenn mir die Informationen nicht komplett die Angst vor den Schmerzen nehmen können, kann ich es jetzt viel besser verstehen und fühle mich nicht mehr ganz so hilflos.

Viele Grüße und noch mal ganz vielen lieben Dank
Iza

Pullmann
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Liebe Iza,

eine interessante Frage, welche in meinen Beratungsgesprächen sehr oft gestellt wird.
Zunächst erst einmal Allgemeines:
Ziel einer Brustvergrößerung ist aus meiner Sicht eine vernünftige, medizinisch sinnvolle und somit langlebige Lösung zu erreichen - hier würde ich somit den kurzweiligen Schmerz dem langfristigen Ergebnis unterordnen.

Faktoren für den Schmerz:

Die Lage der Implantathöhle:
Es ist schön einen Kollegen im Expertenrat zu haben, welcher sowohl subglandulär wir auch submuskulär operiert. Da ich persönlich ausschließlich in submuskulärer Lage operiere, kann ich nur aus meiner Ausbildungszeit berichten: hier waren die Schmerzen deutlich geringer, wenn in subglandulärer Lage operiert wurde. Aus meiner Sicht anatomisch wir auch physiologisch nachvollziehbar, wenn man sich einmal einen überdehnten oder eingeschnittenen Muskel vorstellt.
Es gibt hierzu auch eine Studie: Pain after breast surgery: a survey of 282 women.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8880841

Die Größe der Implantate:
Bei meinen Patienten werden häufig aufgrund Asymmetrie verschieden Große Implantate eingesetzt. Dabei zeigt sich fast immer, dass die größere Seite ein bißchen schmerzhafter ist. Das bedeutet für mich: je größer um so schmerzhafter - eigentlich ganz logisch.

Die Op-Technik:
Schonendes Operieren immer unter Sicht, sei es endoskopisch oder direkt, subtile Blutstillung führt zu schnellere Abheilung, weniger postoperativer Schwellung usw. -
für mich ist dies ein wichtiger Grund für "weniger" Schmerz.
Bzgl. der Zugangswege wie periareolär, submammar oder axillär konnte ich keine signifikanten Unterschiede sehen.

Die individuelle Konstitution:
Das subjektive Schmerzempfinden ist äußerst unterschiedlich -
da ich auch Männern Pectoralis-Implantate einsetze, kann ich hier berichten, dass die Männer - doch mehr Schmerzen haben - ja, ja ganz der Mann.

Nun - was können wir gegen den Schmerz machen?

- sorgfältig, schonend und medizinisch sinnvoll operieren
- kleine Tricks, wie Einspritzen von langwirkenden Schmerzmittel in in die Implantathöhle während der Operation
- eine gut geführte Betreuung durch den Anästhesisten während und nach der Op - dieser ist bei mir für die Schmerzmedikation zuständig
- postoperative Kühlung des Busens mit Kühlpads
- ein gut sitzender Verband, damit das Implantat und die Implantathöhle "zu Ruhe" kommt
- gute Nachbetreuung durch das Team und den Arzt
- Lymphdrainage / Massage / Justierung durch einen Physiotherapeuten oder Chiropraktiker, um die Abheilung zu beschleunigen, Fehlhaltungen - die zu Verspannungen führen können - zu beseitigen.
- "auf den eigenen Körper hören" - dieser sagt einem schon, was geht und was nicht, dies ist sehr individuell, d.h. das kann bei dem einen Ruhe sein, be dem anderen Bewegung

Und ganz wichtig: Sie sollten diesen Eingriff lange gut überdacht haben und wirklich persönlich wollen. Und wenn Sie dann einen Operateur finden, dem Sie vertrauen, dann werden Sie bestimmt recht wenig Schmerzen haben.

Mit besten Grüßen
und einen schönen Abend wünscht

Dr. Pullmann

Iza
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Lieber Dr. Pullmann,

auch bei Ihnen möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass Sie so schnell und so ausführlich geantwortet haben. Ich finde es so toll, dass hier im Expertenrat nicht nur einfach oberflächlich inhaltlich das wiederholt wird, was man schon auf vielen anderen Seiten zu dem Thema finden kann, sondern dass Sie so umfangreiche und wirklich hilfreiche Hintergrund-Informationen geben. Mir hilft das, dass meine Ängste so langsam weniger werden. Und Sie haben ja auch recht, dass man den kurzweiligen Schmerz dem langfristigen Ergebnis unterordnen sollte, und dass das Vertrauensverhältnis zum Operateur eine ganz wichtige Rolle spielt.

Eine Frage habe ich noch zu dem Link, den Sie geposted haben. Ich weiss nicht, ob ich alles so 100%ig verstanden habe, weil mein Englisch nicht so perfekt ist. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, geht es zum Schluss nicht nur um kurzfristige Schmerzen nach der Operation sondern um das Risiko von chronischen Schmerzen. Das ist etwas, was ich bisher noch gar nicht bedacht habe. Muss ich mir darum bei einer normalen Brustvergrößerung mit Implantaten Sorgen machen?

Viele Dank noch mal, viele Grüße und noch einen schönen Tag wünscht Ihnen
Iza

Pullmann
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Liebe Iza,

erst einmal herzlichen Dank für Ihre lieben Worte.
Nun - tatsächlich gibt es Patientinnen / Patienten, die nach den kurz- und mittelfristigen Schmerz über "chronische" Schmerzen klagen. Der Grund hierfür kann nervalen, muskulären, vegetativen, psychologischen oder einer Kombination Ursprungs sein
Dies ist aus eigener Erfahrung äußerst selten, sieht man als Operateur daher erst ab einer gewissen Fallzahl von Brust-Operationen.
Mentor und Allergan haben hier schöne Broschüren herausgebracht, den sog. "Beipackzettel" für Augmentation.

http://www.mentorwwllc.com/Documents/102898-001A%20Important%20Information%20Aug.pdf

http://www.allergan.com/assets/pdf/M1209-02_Silicone_Aug_Label.pdf

Hier wird jeweils in den Tabellen von "Pain" geschrieben - um die 1% -
bei Natrelle heißt es:

• Pain
Pain of varying intensity and length of time may occur and persist following breast implant surgery. In addition, improper size, placement, surgical technique, or capsular contracture may result in pain. In a European study through 5 years, approximately 1 out of every 100 women with any breast implant had breast pain lasting longer than 3 months.15 Tell your surgeon about significant pain or if pain persists.

Das heißt mal wieder: sorgfältige und schonen OP-Technik, medizinisch sinnvolle Implantatwahl : und die Wahrscheinlichkeit von andauernden Schmerz ist geringer.

Falls Sie mögen, können Sie gerne die beiden oben aufgeführten Links als Diskussionsbasis für andere Threads verwenden.

Mit besten Grüßen

Dr. Pullmann

Iza
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Lieber Dr. Pullmann und lieber Dr. Steinmetz,

vielen Dank für Ihre weiteren Antworten. Ich finde es ganz toll, dass Sie sich so viel Zeit für mich nehmen. Damit habe ich ja schon meine Wochenendlektüre und werde mich intensiv mit den Links beschäftigen, die Sie geschickt haben.

Noch mal vielen Dank, viele Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Iza

Dr. Steinmetz
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Lieber Herr Kollege Pullmann, liebe Iza,

Es ist schön zu lesen, dass wir zu dem Thema ziemlich einer Meinung sind und sich die Erfahrungen weitgehend decken!

Zu dem Thema Schmerzen bei submuskulärer im Vergleich zu subglandulärer Position möchte ich nur kurz noch eine ergänzende Anmerkung machen: Ich glaube, dass der evtl. vermehrt empfundene Schmerz bei der submuskulären Lage vor allem durch Inzision oder Ablösung von Teilen des Brustmuskels kommt. Wenn man die Implantate über einen axillären Zugang einsetzt, kann man unter der Muskulatur ein Implantatlager schaffen, ohne diese einschneiden oder spalten zu müssen. Man sieht das in dem Video von mir hier im Forum ganz gut. Ich denke, das ist ein wesentlicher Unterschied. Der Nachteil ist, dass man dabei mit den Implantattypen eingeschränkter ist. Anatomisch geformte Implantate lassen sich so nur schwierig einsetzen und ich beschränke daher diese Vorgehensweise auf Fälle, wo ich ohnehin mit symmetrischen (runden) Implantaten arbeiten würde. Das Einsetzen von Implantaten submuskulär (oder Dual-Plane) über einen Zugang in der Unterbrustfalte oder periareolär ist tatsächlich auch in meiner Erfahrung schmerzhafter, als subglandulär.

Viele Grüsse
Dr. Wolf-Gunter Steinmetz
www.aesthetik-am-ringpark.de

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